Einige Gedanken zur Gregorianik

von Godehard Joppich


Niemand wird heute mehr allen Ernstes behaupten, die Gesänge, die wir Gregorianischen Choral nennen, gingen direkt auf Papst Gregor den Großen zurück, der im letzten Jahrzehnt des sechsten Jahrhunderts die römische Kirche leitete. Es kann kein Zweifel sein: eine Umformung des in der Stadt Rom üblichen liturgischen Gesangsrepertoires in ein neues "päpstliches" zur Zeit Papst Vitalians etwa Mitte des siebten Jahrhunderts ist an sich undenkbar. Wahrscheinlicher ist dieser Vorgang für die Zeit um das Jahr 750 auf fränkischem Boden. Nachweislich bat Pippin den Papst um Unterlagen für die römische Liturgie, mit deren Einführung er die bis dahin im Frankenreich geltende altgallikanische Liturgie ablösen wollte. Papst Stephan II. schickte ihm die dafür nötigen Bücher: das Sakramentar für die Gebete, das Antiphonar für die Gesänge der Messe. Und da letzteres nur die Texte, nicht aber die Melodien enthält (eine musikalische Notation ist noch nicht erfunden!), mussten römische Kantoren kommen und ihren fränkischen Kollegen die entsprechenden Melodien vorsingen. weiter >>

Frankfurter Choralschola